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Globus Jagdreisen
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Bockjagd zur Blattzeit in Polen

erlebnisreiche Jagdtage in Schlesien

Eigentlich wollten wir erst im Herbst zur Drückjagd nach Polen, aber dann stießen wir im Internet auf ein günstiges Angebot von GLOBUS Jagdreisen, dass drei spannende Jagdtage zur Blattzeit im grenznahen Polen versprach. Bereits sieben Tage später überquerten wir die deutsch-polnische Grenze bei Frankfurt/Oder und wurden schon anderthalb Stunden später herzlich von dem polnischen Förster Janek und seiner Frau Maria begrüßt. Es war der siebte August, warm und bestes Wetter, und die Rehbrunft sollte ihren Höhepunkt gerade überschritten haben. Wir rechneten uns daher gute Chance für die Rufjagd aus und waren mit allerlei „Zauberzeug“ gut ausgerüstet.

Janek war ganz angetan von unserer Idee, vormittags, nachmittags und abends zu jagen und dafür morgens auszuschlafen. Die vorhergehenden Wochen der Bockjagd mit wenig Schlaf waren für ihn und seine Jagdführer anstrengend genug. Zudem waren wir nicht auf die Kapitalen aus, sondern auf die Erlebnisse der Blattjagd und wollten gerne auch Geringe, oder alte zurückgesetzte Böcke erlegen.

Nach einem frühen Abendessen ging es dann das erste Mal raus. Markus und Frank gingen mit je einem Jagdführer, ich mit Janek. 15.000 Hektar sind eine riesige Fläche und so mussten wir einige Zeit fahren, bis wir in ein Waldgebiet kamen, dass durch viele Lichtungen und Wiesen aufgelockert wurde. Leise stellten wir den Wagen ab und pirschten vorsichtig einen Waldweg entlang und auf eine Wiese zu, an deren Rand ein Hochsitz stand. Totale Ruhe und nichts zu sehen. Nach einer halben Stunde erscheint ein Rudel Rotwild gegenüber auf 400 Meter und beginnt völlig vertraut zu äsen. Im Rudel befinden sich neben Tieren und Kälbern auch zwei geringe Hirsche, ein Sechser und ein Achter vom zweiten oder dritten Kopf. Als sich weiter kein Rehwild zeigt, nehme ich meinen neuen Rehwildblatter und versuche mich in verführerischen Lauten einer brunftigen Ricke. Das eine oder andere Stück Rotwild wirft kurz auf, ansonsten tut sich aber nichts. Nach mehreren Strophen und zwanzig Minuten resigniere ich und denke bereits daran, es vielleicht an einem anderen Platz zu versuchen. Plötzlich deutet Janek zwischen die Bäume 70 Meter links von uns und da erblicke ich auch etwas eher Fahlgelbes. Regungslos steht dort ein Reh, halb verdeckt. Ich kann nicht erkennen, was es ist, mache mich aber bereit und warte. Es dauert eine Ewigkeit, dann entlockt Janek seinem Buttolo ein leises Fiepen. Ein Ruck geht durch das Stück und ganz langsam macht es ein paar Schritte vor und äugt direkt zu uns herüber. Durch das Zielfernrohr sehe ich jetzt, dass es ein Bock ist, dunkle, etwas krumme Stangen, knapp über Lauscher hoch. Janek raunt „alter Bock“ und raus ist der Schuss. Im  Knall springt er hoch und entschwindet unseren Blicken in die Richtung, aus der er gekommen ist.

Noch immer scheint die Sonne auf die ruhig daliegende Waldwiese als wir abbaumen und zum Anschuss gehen. Lungenschweiß, dreißig Meter weiter liegt der Bock, längst verendet. Ein herzliches „Darz Bor“ von Janek. Der Bock hat ein schwaches, stark zurückgesetztes Gehörn, dass später lediglich 195 Gramm auf die Waage bringt. 14 kg wiegt er, wirkt knochig und sein Alter ist kaum zu schätzen, da die Zähne ganz runter geschliffen sind und zum Teil schon fehlen. Über diesen uralten Waldbock bin ich sehr glücklich. Auf der Rückfahrt zum Quartier sehen wir hier und da Rotwild und einen mittelalten Sechserbock treiben. Später kommen auch die Freunde zurück: Markus hat einen guten, vielleicht fünfjährigen Bock erlegt und einen auf unter 20 Meter gefehlt, der beim Blatten fast in sie hineingestürmt wäre. Frank hat einen interessanten Pendelstangenbock erlegt. Die Böcke werden am gleichen Abend totgetrunken und am nächsten Morgen schlafen wir aus.

Nach dem Frühstück fahren wir um halb elf ins Revier. Heute ist es etwas bedeckt, aber immer noch warm. In einem Birkenwäldchen zwischen zwei Kieferndickungen wollen wir unser Glück versuchen. Auf die angrenzenden Felder soll öfters ein guter Bock ausgetreten sein und Janek vermutet hier seinen Einstand. Diesmal blattet er, ich halte das Gewehr im Voranschlag, denn viel Sicht haben wir hier nicht, es sei denn das Wild kommt auf dem Weg, den wir einsehen können. Die ersten fünf Fieptöne aus dem Buttolo sind kaum verklungen, da sehen wir einen Bock über den Weg springen und in den Birkenwald eintauchen. Zwei weitere Fieper und es leuchtet rot zwischen den Birkenstämmen vor mir. Der Bock zieht mit tiefen Haupt zügig auf uns zu. Mittelstarke Stangen, unten dick, über Lauscher, graues Haupt nehme ich wahr. Keine fünfzehn Meter vor uns scheint er etwas mitbekommen zu haben, macht ein paar Sprünge seitwärts und verhofft auf Janeks Schecken. Ich schieße freihändig und der Bock liegt im Knall. Das war aufregend, wir atmen durch und warten noch einen Moment, bevor wir zum Bock gehen. Es ist ein fünf- bis sechsjähriger Bock, gute Rosen, unten starke Stangen, nach oben gut vereckt, aber dünn. Für hiesige Verhältnisse mit 320 Gramm ein reifer, guter Bock.

Wir verstauen den Bock und fahren weiter in ein Moorgebiet. Bis zum Mittagessen ist noch etwas Zeit. Wir pirschen einen Damm entlang, von dem wir etwas Einblick in den ansonsten dichten Bestand haben. An der ersten Stelle kommt uns nichts, obwohl es hier förmlich nach Wild riecht. Dreihundert Meter weiter springt vehement ein etwa zweijähriger Bock, der sich dann laut schreckend empfiehlt. Wir warten zehn Minuten, um nichts weiter zu beunruhigen. Gerade als wir weiterpirschen wollen, entdecken wir auf hundert Meter einen Bock, der am Fuße des Dammes in unsere Richtung zieht. Korbförmiges Gehörn, helle Enden über den Lauschern. Wir drücken uns im Gras, können aber die Position nicht mehr verändern. Vorsichtig lege ich über die Knie an. Der Bock zieht bis auf 50 Meter an uns heran und Janek fordert mich auf zu schießen. Als er verhofft, fällt der Schuss von schräg vorn. Den Bock wirft es herum und er flüchtet ins Moor. Nur kurz hören wir seine Flucht, dann ist es still.

Wir warten die obligate Zigarettenlänge, dann gehen wir zum Anschuss, der leicht zu finden ist und auch der Fluchtfährte ist gut zu folgen. Nach fünfzig Metern stehen wir vor dem Bock. Der Schuss sitzt am Blatt, ging aber schräg durch. Dem Zahnabschliff zu Folge ist er mindestens sechs Jahre alt, die Stangen sind unten gut geperlt, hoch, aber dünn. Er bringt es auf 250 Gramm. Dann fahren wir zurück zum Jagdhaus. Vor der Wildkammer liegen zwei weitere Böcke, beide Freunde hatten Waidmannsheil.

Beim Mittagessen wird bereits das erste Mal resümiert: von den gebuchten neun Böcken haben wir bereits sieben erlegt, ich meinen Abschuss eigentlich schon erfüllt. Dass es so gut klappen würde, hatten wir nicht erwartet. Also ein Anruf in Hamburg und die Nachfrage, ob wir noch weitere Böcke frei kriegen. Zehn Minuten später kommt der Rückruf, die weitere Freigabe für fünf Böcke konnte bei der Oberförsterei erwirkt werden.

Gegen fünf Uhr starten wir wieder. Es gab mittags einen Schauer und jetzt tropft es von den Bäumen. Eigentlich sollte das Wild auf den Läufen sein. Wie wir an ein großes Stoppelfeld kommen, sehen wir auf reichlich dreihundert Meter einen Bock treiben. Gut vereckter Sechser, nicht besonders hoch auf, aber dicke Stangen. In der Deckung verstreut liegender Rundballen pirschen wir dichter heran. Die Rehe sind nicht besonders aufmerksam und wir kommen bis auf hundertzwanzig Meter heran. Wie ich auf dem Ballen auflege, pfeift Janek den Bock an, der verhofft und mit hohem Blattschuss fällt. Wie wir herantreten erscheint er doch stärker als gedacht. Janek schätzt sechs bis sieben Jahre, ich eher fünf bis sechs, aber wir sind sehr zufrieden. Wie sich später herausstellt, sind die Gehörne nicht ganz so schwer, wie sie aussehen. 345 Gramm erreicht dieser.

Frank konnte bei der Nachmittagspirsch im Wald einen strammen Überläufer aus einer Rotte strecken, was für ihn bei Tageslicht ein besonderes Erlebnis war, denn daheim hat man fast nur nachts eine Chance.

Viel zu schnell sind unsere dreieinhalb Jagdtage verstrichen. Am Ende haben wir zwölf Böcke und drei Sauen erlegt und noch viel mehr gesehen. Es waren erlebnisreiche, ausgefüllte Jagdtage. Sofern man nicht auf kapitale Böcke aus ist und entsprechende Reviere sucht, ist so eine Jagd über eine Pauschale auch angemessen preiswert. Einen Haken hatte die Sache aber doch: Maria, die Frau des Försters, meinte es zu gut mit uns: drei warme Mahlzeiten sowie Kaffee und Kuchen nachmittags haben trotz langer Pirschen Spuren hinterlassen ...

Markus B.

Info Bockjagd in Polen

Rehbockjagd Blattzeit
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