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Globus Jagdreisen
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Der Kapitale von Lhota

Eine Muffeljagd im Schnee

Das Muffelwild hat es mir seit jeher angetan. Erste jagdliche Unternehmungen auf diese Wildart unternahm ich Ende der Neunziger Jahre nach Tschechien, wo ich meinen ersten Widder, eine Silbermedaille, erbeutete. Später unternahm ich Jagden in Staatsforsten in Mecklenburg Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. In letzterem jagte ich auf dem Truppenübungsplatz in Klietz. Damals sehr wildreich, es kam sehr viel Rot-, Schwarz- und Muffelwild in Anblick. Auf den Schießbahnen sah man mehrere Brunftrudel gleichzeitig. Mein damaliger Jagdführer bot mir fast bei jeder Pirsch einen guten Muffel an, aber ich wollte einen sehr starken erlegen, von denen es einige wenige geben sollte. Am dritten Jagdtag, als ich wieder einen Widder mit etwa 80cm nicht erlegen wollte, brach der Jagdführer die Jagd ab, weil er meinte, ich wolle sowieso nicht schießen. Auf der Fahrt aus dem Revier lief dann ein Rudel über den Weg und im Nachsetzen konnte ich einen alten Widder mit 92cm-Schnecken und 216 Punkten erlegen. Mit zu vielen großen kommerziellen Drückjagden wurde der Wildbestand in diesem Revier dann leider zu stark reduziert.

Im Jahr 2004 pachtete ich dann mit einem Freund ein kleines Waldrevier in Süd-Ost-Niedersachsen, in dem als fünfte Schalenwildart Muffelwild vorkam. Die Muffel waren häufiges Wechselwild und wir konnten über die Jahre ein paar Widder erlegen, aber sie kamen über 75 Zentimeter kaum hinaus. Als dann 2010 der erste Wolf gesichtet wurde und sich in den Folgejahren ein Rudel etablierte, war es um den Muffelbestand bald geschehen. 2015 wurde bei der letzten Sichtung noch ein zweijähriger Widder erlegt und seitdem gilt der Bestand in der Region als erloschen. 

Meine Leidenschaft brennt aber immer noch für das Muffelwild und so habe ich mich mit der Hilfe von Globus Jagdreisen wieder Tschechien zugewandt. Zweimal war ich in Nordböhmen, habe schöne Jagden erlebt und zwei Widder strecken können. Der eine mit 211 Punkten und 88cm Schnecken, der andere mit knapp 80 Zentimetern und dünnen Schnecken. Letzteren hatten wir einfach falsch bzw. als größer angesprochen, obwohl auch er alt war. 

Am liebsten wollte ich nun auf einen bestätigten, starken und alten Widder jagen und der Jagdleiter meinte, das würde am besten bei frischer Schneelage und Frost gehen. Da es aber mit der Schneelage in den letzten Jahren so eine Sache ist, vereinbarten wir, dass er Globus informieren wolle, wenn die Bedingungen passten und ich kurzfristig komme. Als daheim im Januar der erste Schnee fiel, dachte ich kurz daran, aber ich hörte nichts. Vermutlich, weil im Januar noch Drückjagden stattfinden. Mitte Februar klingelte dann plötzlich das Telefon und Herr Brockmann von Globus Jagdreisen meinte, das Revier hätte angerufen, es läge frischer Schnee und mit einem größeren Rudel hätten sich auch drei starke Widder in einem bestimmten Revierteil eingestellt. Ich sollte möglichst sofort kommen.

Die Wetterprognose sagte weiteren Schneefall voraus und die Straßenbedingungen waren schwierig. Insbesondere die Straßen über das Erzgebirge hatten feste Schneelage und es schneite. Trotz allem kam ich mittags an, bezog das Hotel und um 14:30h kam der Jagdleiter und wir fuhren ins Revier. Zwei Kirrungen waren eingerichtet, aber eine hatte schlechten Wind und so saßen wir an der anderen und hatten sie auf 140 Meter am Feldrand vor uns. Es dauerte nicht lange und sechs kleine Frischlinge erschienen, ästen etwas und schoben sich am Strohballen ein. Dann kamen ein paar Rehe und zwei Stück Sikakahlwild, nur vom Muffelwild keine Spur. Es fing bereits an zu dämmern und die Wildschafe hätten längst da sein sollen, als der Jagdleiter meinte, sie stünden dann wohl an der anderen Kirrung und wir sollten dahin pirschen. Das taten wir dann auch, pirschen durch das kupierte Gelände und den Hochwald. Als wir einen Streifen dicht stehender Fichten fast durchquert hatten, das Ganze ging im Schnee einigermaßen leise, sahen wir im angrenzenden Hochwald etliche Wildkörper. Etwa 30 oder mehr Muffel standen an der Kirrung und schoben sich durcheinander. Ein Ansprechen war bei dem mittlerweile schwachen Licht aber nicht mehr möglich und so zogen wir uns leise wieder zurück. 

Am anderen Morgen bereits bei gutem Licht pirschten wir zu der Kirrung, an der die Muffel am Vorabend waren und bezogen eine Leiter mit halbem Wind. Frische Fährten, ideale Bedingungen. Der Ansitz im Winterwald war zauberhaft. Die Muffel mussten jeden Moment kommen. - Taten sie aber nicht. Nur wieder ein paar Rehe. Der Jagdleiter baumte ab und umkreiste die Kirrung und stellte die Richtung fest, in der die Muffel weggezogen waren. Sie hätten ihren Einstand auf diesem Bergrücken und wir wollten vorsichtig pirschen. Es ging dann langsam durch den mehr oder weniger lichten Hochwald durch kleine Gräben und Rinnen, bergauf und bergab, bis wir auf etwa 250 Meter das Rudel in einem Hang im Wald ausmachten. Mit unseren Schneehemden leidlich getarnt pirschten wir näher und konnten bald ein paar Widder unter den Schafen ausmachen. Das Rudel bewegte sich kaum, einige Stücke ästen sporadisch, aber die alten Schafe sind wachsam und jedes äugt in eine Richtung. 

Auf etwa 130 Meter heran, gehen wir hinter einem Buchenstamm in Position und können durch Sträucher und spärliche Naturverjüngung mehrere gute Widder erkennen. Einer zieht zwei Schritte vor und Lukas meint, dies wäre der Stärkste. Auf Knien versuche ich zwischen Schießstock und Buche festen Halt für die Waffe zu finden. Durch eine Lücke im Unterwuchs habe ich das Blatt einigermaßen frei und der rote Punkt des Absehens steht etwas wackelig auf dem Blatt. Gefährlich nah an der weit ausholenden Schnecke. Da sehe ich plötzlich im Absehen einen anderen Widder dahinter. Auch er ist stark, die Enden der Schnecken weisen noch mehr nach außen. Ich weise Lukas darauf hin, aber er meint, der Widder wäre genauso alt, aber enger gedreht. Der erste sei sicher der Stärkere.

Mittlerweile äugen die Widder und einige Altschafe starr in unsere Richtung. Wir bewegen uns kaum, Lukas raunt nur, ich solle jetzt schießen, gleich springen sie ab. Das Absehen ruht jetzt fest auf dem Blatt, ich halte etwas von der Schnecke weg nach vorn und als der hintere Widder vorzieht und der Starke freisteht, bricht der Schuss. Guter Kugelschlag und der Widder liegt im Knall. Das Rudel zieht etwas auf uns zu, hatte uns wohl doch noch nicht erkannt und dann 50 Meter nach rechts in eine Senke. Dort verhofft es lange und weiß wohl nicht richtig was passiert ist. Vielleicht auch wegen des Schalldämpfers. Es zieht erst langsam weg, als wir uns nach fünf Minuten vorsichtig in Bewegung setzen. Wir konnten den anderen Widder noch genau ansprechen. Er hatte weniger Auslage und ist enger gedreht. Dadurch ragen die Enden der Schnecken mehr nach außen, aber er hat nicht die Länge des anderen. 

Am Widder schätzt Lukas ihn auf 95 Zentimeter und etwa 220 Punkte. Sehr starke Basen, Auslage, großer Kreisbogen und die gut sichtbaren Schübe weisen ihn als achtjährig aus. Er ist stark im Wildbret und hat einen sehr starken Träger. Wir liegen uns in den Armen und sind sehr glücklich. Wir machen Fotos und Lukas erzählt, dass dieser Widder bereits zweimal gefehlt wurde. Einmal von einem Gast auf 145 Meter und einmal erlegte ein anderer Gast aufgrund eines Missverständnisses einen anderen Widder aus dem Rudel. Der Widder hat vernarbte Blessuren in der Maske und eine Schnecke hat ein kleines verwachsenes Löchlein, vielleicht von einem (kleinen) Projektil. Während Lukas den Wagen näherholt, halte ich die Totenwacht.

Die spätere inoffizielle Vermessung ergibt 221 Punkte bei 93,5 und 94 cm Schneckenlänge. Wären die Enden nicht abgestoßen, wären sie vielleicht noch ein paar Zentimeter länger gewesen. Aber unabhängig von der Punktezahl bin ich überglücklich, vielleicht meinen „Lebenswidder“ erlegt zu haben. Eine spannende Jagd in zauberhafter Winterlandschaft und eine reife und wuchtige Trophäe. Die Montage in meinem Jagdzimmer wird mich immer an diese spannende Jagd erinnern. 

Günter G.                                                                                               Muffeljagd in Tschechien

Muffeljagd Tschechien
Muffeljagd Tschechien
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