Jagd auf eigene Faust in Crianlarich
Jagdurlaub in den schottischen Highlands – selbstständig jagen bei Crianlarich
Von Frank (65), Tino (28), Andy (33) und Stefan (47)
Zeitraum: 6. bis 12. Dezember
Die schottischen Highlands sind kein Revier für beiläufige Jagd. Sie sind weit, rau, steil und kompromisslos – und genau das war der Grund, warum sie uns gereizt haben.
Wir vier – Frank, Tino, Andy und ich – verbrachten im Dezember einen gemeinsamen Jagdurlaub in Crianlarich, mitten in den Scottish Highlands. Dort stand uns ein rund 3.000 Hektar großes Rotwildrevier zur Verfügung, das wir vollkommen selbstständig, also ohne Stalker oder Führer, bejagen durften. Verantwortung von der Pirsch über den Schuss bis hin zum Aufbrechen und Bergen – alles lag in unserer Hand.
Motivation und Vorbereitung
Frank und ich hatten bereits drei Jahre zuvor an einer geführten Hirschjagd von Globus Jagdreisen weiter nördlich in Schottland teilgenommen, in den flacheren Highlands. Diese Erfahrung war prägend – und letztlich ausschlaggebend für den nächsten Schritt: Wir wollten wissen, ob wir eine solche Jagd auch ohne Führung, vollständig eigenverantwortlich, bewältigen können. Uns war von Beginn an klar, dass dies nur mit entsprechender Vorbereitung möglich sein würde. Kondition, Ausrüstung, Schießpraxis und mentale Einstellung mussten stimmen.
Das Revier: echtes Hochland
Das Revier bei Crianlarich ist echtes Hochland. Vom Talboden steigt das Gelände steil an und geht in eine hochgelegene, weitläufige Ebene über, die im Grunde fast ausschließlich zu Fuß erreichbar ist. Wege gibt es kaum, das Gelände ist nass, moorig, stellenweise steinig und durchzogen von steilen Hangkanten. Das Rotwild nutzt diese Topografie konsequent. Es liegt exponiert an Höhenrücken und Geländekanten, stets mit Überblick. Jede Bewegung wird sofort wahrgenommen – Fehler verzeiht dieses Revier nicht.
Wetter und Bedingungen
Von sechs Jagdtagen waren vier Tage geprägt von Dauerregen, begleitet von teils starkem Wind. Erst der letzte Tag zeigte sich von seiner freundlicheren Seite.
Diese Bedingungen bestimmen die Jagd maßgeblich:
• konsequente Pirsch nach dem Wind
• langsame, überlegte Bewegungen
• niedrige Silhouette, da das Wild jede Bewegung sofort erkennt
Wildbeobachtungen und Strecke
Wir sahen außergewöhnlich viel Wild. An einzelnen Tagen konnten wir bis zu 200 Stück Rotwild beobachten: große Kahlwildrudel, Hirschrudel, kleinere Gruppen und Einzelstücke. Die Schussdistanzen bewegten sich zwischen 137 Metern und 430 Metern, was die Offenheit und Weitläufigkeit des Reviers eindrücklich widerspiegelt und saubere Schießtechnik sowie verlässliche Ballistik zwingend erforderlich macht. Am Ende der Woche konnten wir zwölf Stück Rotwild vorweisen. Jedes einzelne war erarbeitet – kein Schuss war selbstverständlich.
Die eigentliche Herausforderung: Bergen
Was bei dieser Jagd keinesfalls unterschätzt werden darf, ist das Bergen des Wildes. Steiles Gelände, nasser Untergrund, große Entfernungen und fehlende Zufahrtsmöglichkeiten fordern Mensch und Material gleichermaßen. Die längste Bergestrecke betrug rund fünf Kilometer, vollständig zu Fuß, da ein Heranfahren mit Fahrzeug oder Quad nicht möglich war. Hier zeigte sich, wie entscheidend Kondition, Teamarbeit und geeignete Ausrüstung sind. Besonders wertvoll war die Unterstützung zweier bergerfahrener, konditionsstarker Mitjäger, die bei langen Bergestrecken eine große Hilfe waren.
Ausrüstung – ehrlich empfohlen. Diese Jagd verzeiht keine halben Lösungen:
• Sehr gute Bergstiefel, idealerweise zwei bis drei Paar zum Trocknen
• Hochwertige, wetterfeste Kleidung, ebenfalls mehrfach
• Entfernungsmesser
• Magnum-Kaliber mit sicherer Weitschussleistung
• Zieloptik mit ASV / Höhenverstellung
• Rucksack mit Waffenhalterung, um das Gewehr nicht dauerhaft umgehängt tragen zu müssen
• Ein stabiler Pirschstock, der zugleich als Wanderstock genutzt werden kann – unverzichtbar im steilen, nassen Gelände
• Funkgeräte zur Abstimmung im Revier – wir hatten Geräte dabei, die jedoch in der Weite und Topografie der Highlands ebenfalls an ihre Grenzen kamen; leistungsfähige Funkgeräte sind daher dringend zu empfehlen
• Kräftige Sturm-Taschenlampen
• Wärmebildkamera, aus unserer Sicht ein Muss, um Wild in der perfekt angepassten braunen Graslandschaft überhaupt erst zuverlässig zu lokalisieren
• Elektrolyte (z. B. Magnesium und vergleichbare Präparate) zur Vorbeugung von Krämpfen – die körperliche Belastung ist hoch, die Erschöpfung oft maximal
Orientierung und Sicherheit
Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt ist die mangelhafte Netzabdeckung. In den oberen Bereichen des Reviers besteht kaum Funk- oder Handysignal. GPS-Markierungen über gängige Karten-Apps erwiesen sich als unzuverlässig, was das Wiederfinden von erlegten Stücken bei einsetzender Dunkelheit zusätzlich erschwerte.
Kurze Tage, lange Wege - im Dezember sind die Tage kurz:
• Tageslicht ab etwa 8 Uhr
• Einbruch der Dunkelheit bereits ab 16 Uhr
Bergung und Rückweg erfolgen daher häufig in der Dämmerung oder Dunkelheit – ein nicht zu unterschätzender zusätzlicher Anspruch an Konzentration und Sicherheit.
Unterkunft und Alltag
Die Unterkunft war sehr einfach, aber zweckmäßig. Nach kurzer Eingewöhnung spielt das kaum noch eine Rolle – der Fokus liegt vollständig auf der Jagd, und die Tage sind lang, nass und fordernd.
Fazit
Diese Jagd war intensiv, ehrlich und fordernd – ein Erlebnis, das lange nachwirkt. Sie zeigt sehr klar, wo körperliche, konditionelle und organisatorische Grenzen liegen.
Unsere klare Empfehlung:
• Wer eine solche Jagd plant, sollte zunächst eine Highland-Jagd mit Stalker erlebt haben
• Erst danach empfiehlt sich eine vollständig selbstständige Bejagung
• Sehr gute Fitness ist zwingend erforderlich
• Für Jäger jenseits der 60 sollte realistisch geprüft werden, ob man sich diese körperliche Belastung noch zumuten möchte
Crianlarich war kein einfacher Jagdurlaub – aber genau deshalb ein unvergesslicher.
Stefan M.




