Hirschjagd in Ungarn

Eine Goldmedaille war mein Traum

Hirsch Goldmedaille Ungarn

Endlich, am 14. September kam der Anruf von Globus Jagdreisen, Herrn Brockmann, dass man einen Hirsch in der Goldmedaillenklasse bestätigt hätte. Ich müsste in den nächsten Tagen fahren, da die Hirsche noch auf den Brunftplätzen stünden, die Brunft aber um den 20. September sich dem Ende nähern würde.

In diesem Jahr war nämlich mein Plan, anlässlich eines runden Geburtstages, einen starken Hirsch, vielleicht meinen Lebenshirsch, möglichst in der Goldmedaillenklasse zu erlegen. Man empfahl mir Ungarn, wollte aber erst den Beginn der Brunft abwarten, damit es auf einen bestätigten Hirsch gehen könnte, denn Hirsche in der Klasse von zehn und mehr Kilogramm sind auch in Ungarn nicht überall zu finden.

Am 18. September flog ich dann nach Wien und fuhr mit einem Mietwagen in drei Stunden ins Revier am südlichen Ende des Balatons. Auf dem Weg dahin in Höhe Sopron zeigte das Thermometer 28 Grad und man hatte eher das Gefühl in Spanien unterwegs zu sein, als in Ungarn zur Hirschbrunft. Im Quartier angekommen stellte sich heraus, dass ich der einzige Gast war. Die Sommersaison war zu Ende und die Touristen abgereist. Um 16:30h kam der Berufsjäger Emil ins Hotel und bei einem Erfrischungsgetränk besprachen wir die Jagdtage. Das Revier gehört einer Jagdgenossenschaft und hat ca. 20.000 Hektar und drei Berufsjäger. Pro Jahr werden um die 50 Hirsche erlegt, davon 20 in der Klasse ab ca. sechs Kilogramm von ausländischen Gästen. Die Erlöse werden dringend für die Deckung der Wildschäden benötigt.

Weiter erfahre ich von Emil, dass jetzt sogar drei kapitale Hirsche bestätig seien. Zwei zwischen zehn und elf und einer um die zwölf Kilogramm, den ein Gast (der berühmte Jagdschriftsteller Graf Philip Meran) nicht erlegen konnte. Gegen fünf Uhr fahren wir zunächst zum Jagdhaus, das in den nächsten Tagen unser Treffpunkt sein soll und wo ich einige Trophäen der letzten Woche begutachten kann. Darunter ein alter Achter mit etwas über sechs Kilogramm und ein gut ausgelegter, gleichmäßiger Kronenzwölfer mit 10,8 kg und dunklen Stangen. Das wär schon was, denke ich bei mir. Dann fahren wir ins Revier, das gleich hinter dem Dorf beginnt und lassen den Wagen an einem Maisfeld stehen. Das Gelände ist hügelig und ausgedehnte Eichen- und Buchenwälder wechseln sich mit Maisschlägen, Knicks und kleineren Remisen ab. Wie beziehen einen Hochsitz am Waldrand und genießen die noch immer wärmenden Sonnenstrahlen bei über 20 Grad.

Schon gegen 18:00 Uhr melden die ersten Hirsche und wir können fünf verschiedene Stimmen erkennen. Darunter sollen auch die zwei Starken mit über zehn Kilogramm sein, meint Emil. Da sich am Feld aber nichts zeigt und die Stimmen immer aus der gleichen Richtung kommen, beschließen wir, in den Wald zu pirschen und die Hirsche bei gutem Wind anzugehen. Schon nach vielleicht zweihundert Metern schlägt und die Brunftwitterung des Rotwildes entgegen und ich bin in der Hirschbrunft angekommen. Wir sehen einige Stücke Kahlwild und einen Hirsch um die sieben Kilogramm, kommen aber nicht näher an einen der starken Hirsche heran bevor das Licht im Wald schwindet. Wir lauschen noch eine Weile dem Röhren der Hirsche, bevor wir den Heimweg antreten. Morgen früh wollen wir es wieder hier versuchen.

Im Hotel erhalte ich noch ein opulentes Abendessen und sitze anschließend noch eine Weile auf der Terrasse in der lauen Abendluft, die vom Balaton herüber weht. Das Hotelgelände grenzt unmittelbar an einen 200 Meter breiten Schilfstreifen des Balatons und man hat direkten Zugang über einen kleinen Damm bis ans Wasser. Im Schein der Terrassenleuchte sehe ich immer wieder einen Fuchs auf dem Rasen hin und herlaufen, der kaum Scheu zeigt. Wie ich später erfahre, ist er hier ständig zu Gast.

Am nächsten Morgen klingelt um 4:30h der Wecker und um 5:00h bin ich am zehn Kilometer entfernten Jagdhaus, dem vereinbarten Treffpunkt. In Emils Lada geht es ins Revier  und auf den Hochsitz am Wald. Wir hören wieder das Melden der Hirsche und als es hell genug ist, beginnen wir die Pirsch. Es ist etwas Wind aufgekommen und rauscht in den Baumkronen. Wir pirschen im Eichenwald einen Hang hinab und weiter auf einem Sandweg den immer lauter zu vernehmenden Hirschen entgegen. An einer kleinen Abzweigung biegen wir nach rechts hangaufwärts ab, da von dort zwei gute Stimmen kommen. Vorsichtig pirschen wir Schritt für Schritt weiter, als plötzlich, ganz dicht, aber noch überriegelt, eine mächtige Stimme zu vernehmen ist. Schnell ein paar Schritte zurück und dann den Hang hoch, um gedeckt dichter heranzukommen. Durch die Windböen prasseln immer wieder die Eicheln wie Hagelkörner auf den Boden und überdecken unsere Schritte im Laub.

Plötzlich flüchtet ein Tier auf vierzig Meter an uns vorbei durch den Bestand, gefolgt von dem treibenden Hirsch. Sofort zischt Emil mir „schießen“ zu und stellt den Schießstock auf. Das geht mir sehr schnell und ich frage am Zielfernrohr vorbei, wie groß er den Hirsch einschätzt. „Mindestens zehn Kilo!“ sagt er, aber der Hirsch treibt das Tier bereits durch die kleine Senke und gegenüber wieder im dichten Unterwuchs. Da hat Emil auf einem Mal einen Hirschruf in der Hand und schreit den Hirsch an. Dieser wendet sofort und zieht zurück auf uns zu. Ich frage nochmal, ob er sich sicher ist und er sagt nur „ja, schießen“. Wie der Hirsch schräg unter uns auf vielleicht siebzig Meter über den Weg zieht, steht das 40er Zeiss-Absehen auf seinem Blatt und als er durch eine Lücke zieht, schieße ich ihn schräg von vorn Hochblatt, worauf er im Feuer fällt. Sofort repetiere ich und springe ein paar Schritte vor, um evtl. nachschießen zu können, aber der Hirsch rührt keinen Lauf mehr.

Das war viel Action und sehr aufregend. Langsam gehen wir hinunter zum Hirsch. Rechts sechs Enden, Dreierkrone, links acht Enden, doppelte Aug- und Mittelsprosse, Viererkrone. Die Stangen gräulich, die Rosen stark und beidseitig eine Leiste zwischen Aug- und Mittelsprosse. Wie der Hirsch so daliegt, mit wenig Mähne, erscheint er mir gar nicht so stark, vielleicht um neun Kilo. Ich äußere meine Zweifel, aber Emil bleibt bei seinen „mindestens zehn Kilo“. Per Handy wird Laszlo, der zweite Berufsjäger, verständigt, um den Hirsch mit seinem Pickup zu bergen. Auch er schätzt den Hirsch auf über zehn Kilogramm und beim Verladen erscheint er mir plötzlich auch vom Wildbret doch sehr stark, zumindest stärker als unser oder das polnische Rotwild. Am Kühlhaus zeigt dann die Waage ohne Haupt und Läufe 175 kg und mir wird klar, dass die Verhältnisse doch andere sind, denn der Hirsch sei stark abgebrunftet und hätte wohl schon 30 Prozent Gewicht verloren. Das Geweih wolle man sofort abkochen und gegen Mittag hätten wir dann erste Gewissheit über das Geweihgewicht.

Dankbar für das Erlebte, aber auch mit etwas gemischten Gefühlen verbringe ich den Vormittag im Hotel. Was, wenn der Hirsch doch nur neun Kilogramm hat? Immerhin wurde vor der Jagd vertraglich ein Trophäengewicht vereinbart und wenn man sich entschließt, einen Hirsch mit über zehn Kilogramm zu erlegen, will man ihn schließlich auch haben. Gegen zwei Uhr bin ich wieder am Jagdhaus und der Hirsch liegt bereits abgekocht noch im Wasserbad. Die Handwaage zeigt 10,66 kg an. Da er noch nass ist und das Gewicht nach 24 Stunden maßgeblich ist, wird er noch etwas verlieren, aber vielleicht nur 300 Gramm. Ich schüttle Emil die Hand und entschuldige mich dafür, an seiner Ansprache des Hirsches gezweifelt zu haben. Jetzt, wo ich nur das Geweih in Händen halte, dunkle, starke Stangen (gräulich war es nur, weil es aus der Suhle schlammig war)  wirkt es doch sehr wuchtig und voluminös. Die Ungarn schätzen den Hirsch auf elf Jahre. Ich bin sehr glücklich und wir verbringen noch zwei Stunden auf dem Hof und fachsimpeln.

Da mein Rückflug erst in drei Tagen geht, beschließe ich weiter zu jagen. Aber es kommt ein Wetterwechsel, der starken Wind und Regen bringt und die Brunft flaut deutlich ab. Wir sehen noch einen 7-Kilo-Abschusshirsch und einen sehr starken, aber zu jungen Hirsch um zehn Kilo sowie geringe Abschusshirsche in der Dreierklasse. An einem Tag besuche ich tagsüber das Jagdmuseum in Kesthely, das mehr einer Trophäensammlung gleicht. Zu sehen sind Trophäen, Kopf-Schulter- und Ganzpräparate aus allen Erdteilen, gestiftet von berühmten ungarischen Jägern, die wohl außer Jagen nichts anderes gemacht haben können. Wohl dem, der so viel Zeit und Geld hat. Für drei Euro Eintritt ein lohnenswerter Besuch.

Am 22. September fahre ich zurück nach Wien, gebe den Mietwagen ab und fliege zurück nach Deutschland. Die Trophäe wird in den nächsten Tagen bewertet und mir dann zugeschickt. Neben dem Erlebnis der Brunft in den ersten beiden Tagen und der Erlegung nehme ich noch weitere Erkenntnisse mit zurück: man muss seine Chance nutzen, auch wenn es am ersten Tag sein sollte. Das Wetter kann sich ändern und man bekommt vielleicht keine zweite Gelegenheit. Und: man sollte sich auf die Aussage der ungarischen Berufsjäger verlassen, die seit vielen Jahren jeden Tag im Revier sind und ihr Wild und die Verhältnisse besser kennen als der Gast. Danke Emil, Du bist der Fachmann.

Ulli G.

Hirsch Goldmedaille Ungarn
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