Jagd auf Muntjak und Chinesisches Wasserreh in Suffolk

Jagd auf englische Exoten im Frühjahr

Chinesisches Wasserreh aus Suffolk

Da hat man Ende März ein paar Tage Urlaub und möchte gern Waidwerken, aber zu Hause ist das nicht möglich. Also auf in ein Land, das Jagdzeiten auf interessante Wildarten hat, da bleibt nur England. Kurze Anreise, man bekommt gute Waffen geliehen, wildreiche Reviere und eine herrliche Landschaft. Da mein Mann mit Nico Brockmann schon erfolgreiche Jagdreisen unternommen hat, wurde dieser kontaktiert und schon bald stand der Plan der Reise. Sonntags Anreise über Stansted, mit dem Leihwagen nach Wheatacre an die Westküste, Montag und Dienstags insgesamt vier Outings, Mittwochs bereits wieder Abreise. Ich wollte ein Muntjak bejagen, für meinen Mann sollte es auf Chinesisches Wasserreh gehen. Zur Überraschung kannte mein Mann bereits von letztem Jahr den Jagdleiter Terry, sie waren zusammen in Südengland erfolgreich auf Rehböcke.

In England begrüßte uns herrlichstes Frühlingswetter, die Vegetation war schon erstaunlich weit fortgeschritten, der Raps stand in voller Blüte. Da man ja vielleicht  abends noch raus wollte, musste alles zügig gehen. Auf der Autobahn wurde Terry benachrichtigt wann wir ankämen und ob es noch raus gehe. Terry war nicht vor Ort und verwies uns an William, der sich kurz darauf meldete und uns rechtzeitig am Hotel abholen wollte. Wir hatten Jagdführung 2:1 gebucht, aber William brachte zwei Waffen und meinte, dass er mit meinem Mann auf den Ansitz geht und ich alleine. Da ich aber das erste Mal auf diese Wildart jagen würde, wurde es andersrum gemacht. Wir fuhren vom Hotel drei Minuten ins Revier, beim Einweisen meines Mannes sprang bereits ein Wasserrehbock ab. An meinem Sitz angekommen konnten wir schon in der Ferne Wasserrehe in der Sonne beobachten, überall sah man Hasen, Fasanen und Kaninchen. Wir saßen noch nicht lange, als auch schon ein Muntjakbock erschien. Leider kam ich nicht zu Schuss, da er uns sofort mitbekam. Er suchte sein Heil in der Flucht über das Feld in unserem Rücken. Wir konnten noch ein Muntjakweibchen mit Kitz beobachten und weitere Wasserrehe. Es vergingen kaum fünf Minuten, in denen nicht das Fernglas genutzt wurde, das ging auch die nächsten Outings so weiter. Zwischendurch krachte es auch schon bei meinem Mann. Es kam die Nachricht, dass ein Wasserrehbock liegt! Als wir bei ihm ankamen, staunten wir nicht schlecht, es lag ein sehr starker Bock und mein Mann strahlte. Die CZ 550 im Kaliber .243 hatte den Bock an den Platz gebannt. Das ging schon gut los! Da wir in unserem Hotel nichts mehr zum Abendessen bekamen, empfahl uns William ein Hotel im 15 Minuten entfernten Beccles, wo wir auch die nächsten Tage gutes Essen bekamen.

Typisch britisches Wetter mit Nebel war der erste Anblick am nächsten Morgen, aber auf Jagdreise geht man ja trotzdem raus. Wieder ging es ins Revier, dafür lag das Hotel perfekt, und beim ersten Licht hatten wir die Hochsitze bezogen. Es dauerte nicht lange, bis ein Wasserreh auf den Wiesen auftauchte. William meinte, dass das ein guter Bock wäre, und ich entschloss mich, es zu versuchen. Aber leider zog er ins Gestrüpp. Auf der Leiter stehend war ich gerichtet und hoffte, dass er wieder austrat. Er tat mir den Gefallen, aber noch weiter weg. Auf ca 160m ließ ich fliegen, der Bock zeichnete und flüchtete hinter einen Baum, nichts mehr zu sehen. Als William abgebaumt hatte, ging er plötzlich in Anschlag und schoss. Der Bock wollte außerhalb meines Blickfeldes das Weite suchen, ich hatte ihn etwas hinten erwischt. Aber der Fangschuss ließ ihn verenden. Am Bock angekommen konnte ich meine erste englische Beute in Besitz nehmen. Ein alter Raufbold mit nur noch halben Lauschern und einer frischen Verletzung am Licht. Jetzt strahlten alle Anwesenden! Nach einem stärkenden britischen Frühstück fuhren wir an die Küste und schauten uns Lowestoft an, ein hübsches Küstenstädtchen.

Um fünf ging es wieder raus, diesmal auf die Farm von unserem Pirschführer, auch nur fünf Minuten entfernt und wieder in Hörweite voneinander. Es zeigte sich bald wieder ein weibliches Wasserreh, vor uns balzten die Rebhühner, hinter uns die Fasanen. Es tauchte ein Fuchs auf, der sich Rübenschnitzel schmecken lies. William wollte nicht, dass ich ihn schieße, da er die Chance auf Muntjak nicht stören wollte. Eine Henne versuchte sich in eine Hecke zu verdrücken, wurde aber vom Fuchs verfolgt. Neben mir merkte ich ein nervöses Zucken, die Henne entkam und der Fuchs tauchte wieder auf. Ich fragte, ob ich ihn jetzt schießen soll; „Yes please“ war die erleichternde  Antwort, und die CZ 527 im Kaliber 222 bannte ihn an den Platz, mein erster Fuchs! Zwischendurch hörten wir von meinem Mann zwei Schüsse, zwei Muntjaks lagen. Im letzten Licht schnürte ein weiterer Fuchs über das Feld; „Take him“ und ich ließ fliegen. Zwei Jahre steht der Hochsitz an der Stelle und noch nie wurde dort ein Fuchs erlegt, jetzt gleich zwei starke Rüden! Bei meinem Mann angekommen freuten wir uns gemeinsam über unsere Dubletten. Am nächsten Morgen saßen wir wieder im Revier und mein Pirschführer war langsam am Verzweifeln, da es bei meinem Mann schon wieder krachte,  wir aber an diesem Morgen nichts Jagdbares sahen. Mein Mann hatte einen starken Muntjak und einen Fuchsrüden erlegt. Bei genauerem Betrachten des Bockes erkannten wir, dass es der Bock war, den ich am ersten Abend sah, er hatte eine markante Stelle in der Decke. Er hatte also seinen Einstand gewechselt und beanspruchte das Weibchen für sich, das ein jüngerer Bock vor dem Sitz meines Mannes trieb. Bei meinem Mann lief es sehr gut, egal wo er hingesetzt wurde, das Wild wurde magisch angezogen. William machte einen Spezialplan für mich und fuhr mit mir in ein anderes Revier von seinem Freund, mein Mann kam auf den Platz wo ich am Vorabend die Füchse erlegt hatte, er wollte nur noch fotografieren. Schon beim Angehen der Leiter in einem Wäldchen sprang ein Muntjakweibchen ab. Wir saßen kaum, zog ein starker Bock durch den Bestand, aber er zeigte nicht einmal sein Blatt frei und zog von dannen. Die Zeit verging, man sah viele Muntjaks, aber nur Damen. William konnte es nicht fassen, es stand schon fest, dass wir es morgens nochmal versuchen würden, sollte es nicht klappen. Links von uns tauchte im letzten Licht ein Bock auf, die Waffe war schon im Anschlag und beim „Okay“ brach auch schon der Schuss, der Bock flüchtete zwischen die Rhododendren und wir schauten verdutzt drein. Hatte er gezeichnet oder hab ich vorbeigeschossen? Abbaumen und nachsehen, Schweiß am Anschuss! William folgte der Fluchtrichtung, ich hinterher. Aus den Rhododendren raus und nichts mehr, es wurde schlagartig dunkel. Also zurück zum Anschuss und mit der Lampe, den Handys sei Dank, dem Schweiß hinterher. Beim ersten Versuch rechts abgebogen, beim zweiten links, lag der Bock gleich unter dem ersten Rhododendron. Der Schuss war perfekt auf dem Blatt, aber die leichtere Ladung ließ ihn doch noch etwas flüchten. Ich war happy, hatte ich doch noch einen Muntjak erlegt.

Auf der Fahrt zur Farm war die Stimmung super und man erzählte sich von anderen Jagdreisen. Auf dem Hof wurde der Hund rausgelassen und es ging zu meinem Mann. Es kam ja keine Nachricht, dass er geschossen hätte. Aber siehe da, er hatte zwei Fuchsrüden erlegt, am selben Platz wie ich am Tag zuvor! Das ist Jagd! Mit einem Augenzwinkern erklärte er, dass auf dem Feld noch ein Muntjak liegt. Dort angekommen, waren wir alle sprachlos: dort lag ein sehr starker Bock von 12cm mit Gabel. Wir konnten es nicht fassen, 12 Stück Wild bei fünf Ansitzen, darunter auch sehr starke Trophäen. Und für das Niederwild haben wir auch was getan! Wie meinte der Organisator der Reise: „Die Niederwildjäger werden sich freuen, die Fuchsreiter diese Saison wohl mit Kunstfährten arbeiten müssen…“

Eine rundum gelungene Jagdreise geht zu Ende und wir werden mit Sicherheit wiederkommen…

Désirée v.K.                                                           Info: Jagd auf Muntjak und Wasserreh in Suffolk 04.2017

Chinesisches Wasserreh aus Suffolk
Jagd auf Chinesisches Wasserreh
Muntjakjagd Suffolk
Muntjakjagd in Suffolk
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