Kahlwildjagd in Polen

Herrliche Rotwildreviere im Nachbarland

Landschaft polnische Karpaten

Unsere heimischen Jagdgründe weisen einen guten Bestand an Schalenwild, vor allem Reh- und Schwarzwild, auf und mit den wieder etwas besser werdenden Niederwildbesätzen hat man eigentlich ein erfülltes Jägerdasein. Aber wenn man abends nach der Jagd beisammen sitz, geht der Blick doch des öfteren über den jagdlichen Tellerrand hinaus und so entstand die Idee, eine Jagd auf Rotwild im Ausland zu unternehmen. Keiner von uns hatte zuvor auf Rotwild gejagt und mit Rücksicht auf das Budget unserer eher jüngeren Gruppe sollte es primär eine Kahlwildjagd werden.  

Nach eingehender Beleuchtung des Marktes entschieden wir uns für Globus Jagdreisen, nicht zuletzt deshalb, weil wir bei Herrn Brockmann auf viel Verständnis für unser Vorhaben stießen und uns eine Jagd angeboten wurde, die zu unserer Gruppe passte: eine sportliche Jagd in bergigem Gelände und mit angeblich hohem Rotwildbestand. Nur die Anreise war beschwerlich, aber es sollte sich lohnen.  

Anfang Dezember starteten wir früh morgens zu viert bei Schneefall, um über Görlitz, Breslau und Krakau in die polnischen Karpaten zu fahren. Abends erreichten wir Krakau, wo eine Übernachtung in einem preiswerten Fünf-Sterne-Hotel geplant war. Müde von der Fahrt gingen wir nach einem guten Abendessen früh ins Bett, denn schon um acht Uhr am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter. Je weiter wir gen Osten kamen, um so weniger schien die Gegend besiedelt zu sein und die letzten dreißig Kilometer führten über einsame Straßen durch immer dichter bewaldetes, bergiges Gelände bis wir mittags vor ein paar verschneiten Holzhäusern der Oberförsterei standen, die unser Quartier für die nächsten vier Tage sein sollten.

Der Jagdförster Bogdan begrüßte uns mit den Worten: „Da seid Ihr ja endlich, wir müssen 240 Stück Rotwild schießen und haben erst 50. Also, schnell etwas essen und dann geht’s raus“. Das hörte sich gut an! Allerdings wollte ich als der Fahrer es langsam angehen, mich von der anderthalbtägigen Fahrt erholen und verbrachte den Nachmittag im Bett und vor dem Kamin. Mit der Ruhe war es aber vorbei, als die Freunde eine Stunde nach Dunkelheit von der ersten Pirsch mit ihren Jagdführern zurück kamen und mit vor Kälte (oder Eifer?) glühenden Wangen von ihren Erlebnissen berichteten. Zu dritt hatten sie sechs Stück Kahlwild erlegt! Da war ich wieder wach und konnte die Morgenpirsch kaum erwarten.

Am nächsten Morgen hatten wir minus fünfzehn Grad bei etwa dreißig Zentimetern Pulverschnee. Wir brachen nach einem kleinen Frühstück in verschiedene Richtungen des über 20.000 Hektar großen Reviers auf. Bogdan und ich fuhren nur etwa zwei Kilometer weit in die Berge, stellten das Auto ab und pirschen zu Fuß weiter. Unsere Pirsch führte uns in den verschneiten Hochwald und man kam in dem lockeren Schnee erstaunlich leise voran. Die Sichtweite betrug bis zu hundert Meter und ich hatte Zweifel, ob man so an Rotwild herankommt. Aber bereits nach zwanzig Minuten verhofft Bogdan und glast das erste Mal den Wald vor uns ab. Und dann sehe ich sie auch: ein ganzes Rudel Kahlwild und ein paar Spießer. Bogdan deutet auf ein Kalb und fordert mich auf zu schießen. Ich komme gut ab und das Rudel zieht hangabwärts durch das lichte Stangenholz. „Repetieren, nochmal schießen, Tier“ zischt Bogdan mir zu und ich werde noch einen Schuss auf das letzte Stück des Rudels los. Mein Atem steht in der kalten Luft, das ging alles sehr schnell. Bogdan zündet sich eine Zigarette an und nach ein paar Minuten gehen wir zum Anschuss. Das Kalb liegt mit gutem Schuss etwas tiefer im Schnee, dreißig Meter weiter finden wir Schweiß und stehen bald vor einem Schmaltier. Meine ersten beiden Stücke Rotwild! Ich bin in Hochstimmung.

Wir versorgen die Stücke und verblenden sie. Dann pirschen wir weiter und wieder zurück zum Auto. Ich denke, dass es jetzt zurück ins Quartier geht, aber Bogdan will noch weiter. Nach ein, zwei Kilometern stellen wir das Auto erneut ab und pirschen wieder durch das Stangenholz. In dem Gelände wird einem schnell warm und der Puls steigt. Wir entdecken ein Rudel oberhalb von uns und pirschen gedeckt durch eine Lehne dichter heran. Auf etwa hundert Meter können wir vier Stücke ansprechen: ein sehr starkes Tier, ein kleineres und vermutlich zwei Kälber. Ich streiche an einem Baum an, aber es dauert einige Minuten, bis ein Kalb frei steht und die Hände werden schnell kalt. Dann fällt der Schuss und ein Kalb liegt. Bogdan fordert mich zu einem weiteren Schuss auf, aber ich werde nicht fertig. Drei Stücke auf der ersten Pirsch sind weit mehr als ich erwartet habe. Für Bogdan hingegen wohl nötiges Pensum, will er den Abschussplan erfüllen. 

Auf dem Rückweg treffen wir Holzarbeiter, die mit Pferden Holz rücken. Einer von ihnen ist mit seinem Pferd behilflich und zieht die Stücke aus dem unwegsamen Gelände auf den nächsten Weg. Ich bin erstaunt, wie schwer die Stücke sind. 

Zurück im Quartier sitzen die Freunde bereits vorm Kamin beim Frühstück. Das gute polnische Frühstück mit Wurst und warmen Eierspeisen schmeckt ihnen. Lebhaft wird erzählt und ich erfahre, dass zwei von ihnen wieder Waidmannsheil hatten und drei Stücke erlegen konnten. Sie liegen mit den Stücken des Vortages hinterm Haus im Schnee und im Laufe des Vormittags werden meine dazu gelegt. 

Beim Mittagessen schweift mein Blick aus dem Fenster über die bewaldeten Berge und almartigen Freiflächen, alles ein Traum in weis. Auf einer Freifläche in gut einem Kilometer Entfernung sehe ich dunkle Punkte und erkenne mit dem Glas ein paar Stücke Rotwild, die in der Sonne stehen und äsen. Als Bogdan kommt, um mich zur Pirsch abzuholen zeige ich sie ihm und  er meint, wir könnten es versuchen. Also rein in den Wagen und runter in das Tal. Von dort aus steigen wir am Rand der Freifläche auf, bis wir das Kahlwild sehen. Mit dem Wald im Hintergrund kommen wir auf 130 Meter heran und ich schieße vom Schießstock aus auf ein Schmaltier, das mit Hochblattschuss fällt. Gemeinsam ziehen wir es den Hang hinunter, brechen es auf uns verstauen es im Wagen. Weiter geht’s in ein anderes Tal. Bogdan fährt für meinen Geschmack zu schnell und fast hätten wir die beiden Stücke übersehen, die über eine Freifläche ziehen. Kaum hat er den Wagen zum Stehen gebracht, gleite ich heraus und will über das Wagendach schießen. Aber die Stücke drehen ab und verhoffen erst auf etwa 200 Meter wieder. Bogdan ruft, wie immer „schießen“ und wie eines breit steht, lasse ich fliegen. Wie gesund springen beide ab, „vorbei“ höre ich aus dem Wagen, aber kurz vor dem Wald wird das eine langsamer und fällt um. Also doch. Mühsam stapfen wir durch den Schnee und ziehen es zum Wagen. Bogdan will voller Elan weiter, aber ich winke ab, genug für heute. Etwas enttäuscht willigt er ein, murmelt noch etwas vom Abschussplan und dann trinken wir noch ein Bier auf den Jagderfolg.  

Ich könnte hier noch viele weitere Erlebnisse mit Rotwild aus den folgenden Tagen erzählen, vom häufigen Anblick, von Abschüssen, aber auch von Fehlpirschen und -schüssen, die nicht ausblieben. Zwei Spießer und ein Hirsch mit 4,5 kg Geweihgewicht kamen ebenfalls zur Strecke. Letzterer wurde abends erlegt und sollte am nächsten Morgen mit vereinten Kräften geborgen werden, aber wir konnten ihn lange nicht finden, denn in der Nacht hatte Neuschnee alle Spuren zugedeckt.  

An einem Morgen, wir waren gerade beim Frühstück, kamen die Jagdführer zurück, denn sie hatten auf dem Heimweg auf einer Halbinsel im Fluss Sauen gesehen. Also wir wieder los und dahin. Vom Weg aus konnten wir die Sauen tatsächlich im sonnenbeschienenen Schilf sehen. Schnell wurde ein Plan gemacht: einer blieb hier, falls sie über den weitgehend zugefrorenen Fluss ziehen, die anderen stellen sich an den Rückwechsel und einer der Jagdführer geht sie direkt an. Und tatsächlich: eine Sau, ein starker Überläufer, geht über den Fluss und kann am gegenüberliegenden Ufer erlegt werden, die anderen flüchten zurück und wir können noch zwei weitere Sauen strecken. Ein herrliches Erlebnis, wie die Schwarzkittel durch den Schnee und in der Sonne anwechseln. Viel zu selten, wenn überhaupt, erlebt man das daheim.

Die jagdlich ausgefüllten Tage sind wie im Fluge vergangen. Wir hatten reiche Jagderlebnisse und fahren erfüllt nach hause. Auch wenn das geplante Budget nur knapp gereicht hat (wir hatten, ehrlich gesagt, mit weniger Abschüssen gerechnet), steht für uns fest, dass wir wiederkommen. Wenn schon, denn schon!.

Oliver S.

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