Rehbockjagd in Südengland

starke Trophäen aus der Grafschaft Wiltshire

Geplant war eine Bockjagd zur Blattzeit 2016 in Südfrankreich, aber dann teilte mir mein Freund aus Südafrika mit, dass er im April zu einer Hochzeit nach Deutschland kommen würde. Und wenn er schon in Europa ist, dann jagen wir auch zusammen und haben eine gute Zeit!

Da ich Niko Brockmann im Januar persönlich kennen und schätzen gelernt hatte, rief ich ihn an und wir besprachen, was wir im April anstellen können. Nach kurzem Abwägen führte kein Weg an Südengland vorbei. Mir stand der Sinn nach einem wirklich kapitalen Bock, 500 Gramm +!

Herr Brockmann und ich trafen uns dann noch kurz auf der Messe in Dortmund und der Vertrag war gemacht. 4 Nächte, 3 Tage Jagd, 6 Outings!

Am 24.04.16 flog ich von Baden-Baden nach Stansted und mein Freund von Durban über Dubai nach Heathrow. Mein Flieger hatte große Verspätung, so dass H. mit dem Taxi in das nette, ehrwürdige Hotel in Salisbury fuhr. So war er früh da, traf sich mit Terry, schoss die Leihwaffe an und die erste ungeplante Pirsch konnte starten. Bei diesem Outing hat er auch gleich einen ordentlichen 6er-Bock gestreckt. Ich war dann gegen 22:30 Uhr auch mit dem Leihwagen im Hotel und dann gab es das große Hallo. Wir verabredeten uns für die Frühpirsch und waren dann auch froh, ins Bett zu kommen.

Die erste Frühpirsch war, wie jede weitere Pirsch morgens sein sollte. Es war kalt und man hatte weniger Anblick als abends, meist nur weibliches Rehwild, junge Böcke und Unmengen an Niederwild. Wenn man das gesehen hat, wird klar, was möglich ist, wenn ein paar Faktoren zusammen kommen. Ideale Biotope mit nicht zu großen Feldern, hauptsächlich Getreide, Raps, Weiden, Brachen, Hecken, Remisen, natürliche Bäche, kleine Wäldchen und wenig Mais. Dazu hauptamtliche Gamekeeper. Das Flugwild hat für die Landbesitzer einen hohen Wert, da durch die Jagden viel Geld in die Kasse kommt. Ein weiteres Beispiel für „use it, or loose it“!!!! Die Hauptwildarten sind Fasan, Rebhuhn und Ringeltauben, aber auch wahnsinnig viele Hasen (auf einem Feld von ca. 2-3 Hektar habe ich über 100 Feldhasen gezählt) und Kaninchen, sowie Enten und Gänse. Fuchs oder Marder habe ich keinen einzigen gesehen. Nach der Frühpirsch gab es jeden Morgen ein gutes, kräftiges englisches Frühstück, was mir gut geschmeckt hat.

Dann kam die erste Abendpirsch, Terry hatte einen weiteren Jagdgast bekommen und wir wurden für die Abendpirsch einem anderen Pirschführer übergeben. Der holte uns pünktlich ab, übergab mich nach kurzer Fahrt an einen Gamekeeper, der sein Revier wie seine Westentasche kannte. H. ging mit Derek persönlich. Wir fuhren in einen flachen Revierteil, wo er einen Bock kannte, den wir auch nach kurzer Zeit erspähten und dann ging diese schöne Pirsch los. Nach aufregenden 20 Minuten waren wir auf ca. 100 m am Bock, just in dem Moment, als ich schießen wollte, ging der Bock ins Lager und wir lachten uns an. Wir haben kurz gewartet und dann mit allen möglichen Mitteln versucht, den Bock zum aufstehen zu bewegen. Erst nachdem wir ihn angeschrien haben, stand er auf und bekam die Kugel (243. Win) tiefblatt. Nach 30 m Flucht lag mein erster Südengländer, ein alter, vielleicht schon zurück gesetzter Bock von 420 Gramm netto. Die Freude war groß, auch ließ mich der Berufsjäger alleine zum Bock, so dass ich den Moment in aller Ruhe genießen konnte. Dann wollte er aber weiter und wir gingen in ein ganz anderes Gebiet. Bergig, in der Ebene Felder, im Hang Buschland und darüber Weiden. Wir pirschten durch den Hang, ein kleiner Schauer, der mit einem wunderbaren Regenbogen endete. Wir sahen da und dort Rehwild. Plötzlich war unterhalb ein Bock sichtbar. Wir sind dann gedeckt auf 70 m ran gekommen und so von der Sonne beschienen sah der Bock stark aus und ich entschloss mich zum Schuss. Der Bock lag nach kurzer Flucht. Hoch auf, gut vereckt, mindestens 5 Jahre alt, aber recht dünnstangig. Die erste Abendpirsch war also für mich ein voller Erfolg, aber was war bei H. passiert?

Wir trafen uns am Treffpunkt und an den strahlenden Gesichtern war sofort zu sehen, dass auch er erfolgreich war. An diesem Abend konnte  auch er 2 gute Böcke erlegen, einer davon eine Bronzemedaille mit ca. 440 Gramm. Am Abend haben wir dann bei einem Inder ausgezeichnet gegessen, 2 Bier getrunken und uns angeregt unterhalten. Am zweiten Tag haben wir uns dann stonehenge angeschaut und das dazu gehörige Museum, haben dort einen Kuchen gegessen und sind dann wieder ins Hotel gefahren, um einen kleinen Mittagsschlaf zu halten. Am Abend bin ich dann mit Derek unterwegs gewesen. Er hat mir gleich erzählt, was er vorhatte und wie er die Pirsch geplant hat.

Nach ca. 500-700 m Pirsch auf einem Grasweg zwischen Buschland und Raps konnten wir Rehwild sehen und eines davon war der bestätigte gute Bock. In einer spannenden Pirsch kamen wir bis auf 80 m an den Bock heran und ich konnte ihn erlegen. Da lag dann ein alter (ca. 6-8 Jahre) starker Bronzemedaillen-Bock mit 430 Gramm Gehörngewicht vor uns. Ich war überglücklich über die gute Pirsch; Derek ließ mich alleine beim Bock und holte das Auto. Nach den obligatorischen Fotos fragte er mich, was wir tun wollten. Entweder auf einen weiteren bestätigten Bock ansitzen, oder im Wald auf Muntjak und Bock pirschen. Ich entschied mich für die Pirsch. 1. weil ich mit diesem Bock meinem Traum schon sehr nahe war und 2. weil ich daheim oft genug auf dem Hochsitz ausharren muss. Am Wäldchen angekommen, begann die Fußpirsch. Nach nicht einmal 400 m hatte dann Derek einen Bock im Bett unter einem Rhododendron entdeckt, konnte ihn aber nicht richtig ansprechen, meinte aber, es sei ein starker Bock. Ich konnte dann durchs Glas für einen Moment sehr massige Stangen erkennen und auch die Vereckungen waren sehr massiv. Er gab mir zu verstehen, es wäre meine Entscheidung, ob ich den Bock erlegen will, oder nicht. Ich war mir sicher, einen sehr starken Bock vor mir zu haben und entschloss mich zum schwierigen Schuss ins Dickicht. Der Bock blieb am Platz, mit der Kugel auf dem Trägeransatz. Als wir dann zum Bock kamen, brach es aus Derek heraus: “f… the h…, a Goldmedal“. Ich war etwas sprachlos und sehr berührt. Am Ziel angekommen, und vor allem mit fairer Jagd. Jägerherz, was willst du mehr!!!  

Für mich war klar, ich schieße keinen weiteren Rehbock mehr, äußerte aber den Wunsch, am letzten Abend nach einem Muntjak zu schauen. H. hatten an diesem Abend, bei auch spannender und gut geplanter Pirsch, einen Bock und einen Muntjak erlegt. Die Stimmung war gelöst und alle restlos zufrieden. Den späten Abend verbrachten wir bei einem guten Steak und ein paar Bier in einem schönen Gasthaus. Am nächsten Tag haben wir dann „Old Sarum“ und die Kathedrale besichtigt, sind in ein schönes Jagdgeschäft gegangen und haben Salisbury genossen.

Dann kam schon der letzte Abend, H. sollte es auf einen starken bestätigten Bock probieren und ich pirschte mit Derek in ein Gebiet mit gutem Muntjakvorkommen. Nach kurzer Pirsch in steilem Gelände haben wir uns auf die Lauer gelegt und den Gegenhang beobachtet. Weit entfernt konnten wir eine wilde Verfolgungsjagd von 2 Munties beobachten. Dann trat auf einer Freifläche ein starker Rehbock aus, aber ich konnte mich beherrschen. Kurz danach tauchte in Schussweite ein Munti auf, aber es war ein Weibchen. Kurz drauf folgte auf dem gleichen Wechsel aber ein starker Muntjakbock und wieder fand die Kugel, aus liegender Position auf ca. 130 m, ihr Ziel. So viel Jagdglück ist nicht normal, aber schön!!!!! H. konnte an diesem Abend noch einen guten Abschussbock erlegen, ihm blieb der ganz Große leider versagt. Aber das ist ja der beste Grund, wieder zu kommen!!!

Abschließend kann ich sagen,  alles war für uns perfekt, faire, anspruchsvolle und bezahlbare Jagd in schöner Landschaft auf starkes Rehwild. Danke an alle, die geholfen haben und dabei waren!

Waidmannsdank!!!!!                                                              Info zu Rehbockjagd in Südengland

Thomas S.

Anmerkung:
Die beiden Jäger erlegten 2 Muntjaks und 9 Rehböcke, die stärksten mit 415, 430, 446 und 550 Gramm (Goldmedaille).

Bockstrecke Südengland
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