Schwarzbärenjagd in Kanada

Vancouver Island, British Columbia

Jagd an der Küste auf Schwarzbär

Schwarzbärenjagden werden viele angeboten und so nutzen wir zwei Messen und das Internet für einige Recherchen. Zunächst hatten wir eine günstige Jagd in Alberta ins Auge gefasst, aber schnell stellte sich heraus, dass man dort bei der Jagd viel mit dem Auto die Forstwege auf der Suche nach den Bären abfahren und auch nicht weit vom Auto schießen würde. Das war dann doch nicht das, was wir von einer Jagd in Kanadas Wildnis und nach einer so weiten Reise erwarteten. Bei GJ stießen wir auf eine Jagd in British Kolumbien auf Vancouver Island, die vom Boot aus und zu Fuß durchgeführt wird. Es hieß, dass der Bestand sehr gut und die Schwarzbären an der Küste nochmal etwas größer seien. So entschlossen wir uns trotz des höheren Preises diese Reise zu unternehmen, um nicht nur einen guten Schwarzbären zu erlegen, sondern um auch drum herum möglichst viel von Westkanadas Natur zu erleben.

Wir flogen von Frankfurt über Vancouver nach Comox auf Vancouver Island. Das Gepäck hatten wir nur bis Vancouver durchgecheckt, um dort die Waffeneinfuhr vorzunehmen, was sich dank des vorbereiteten Formulars als völlig problemlos darstellte. Der 30-minütige Flug nach Comox wurde mit einer 14-sitzigen Propellermaschine durchgeführt, von der aus man einen herrlichen Blick über Vancouver, die Meeresstraßen, die Insel und die noch schneebedeckten Berge hatte. Am Flughafen wurden wir bereits erwartet und in ein naheliegendes Hotel gebracht, da es bereits später Nachmittag war. Müde fielen wir nach einem kurzen Imbiss ins Bett. Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit einem riesigen Truck des Outfitters über zunehmend einsamere Forstwege über die Berge, wo es schneite, an die Westküste, wo uns das Boot aufnehmen sollte. Pünktlich zur vereinbarten Zeit erschien das Boot mit den beiden Jagdführern, die uns herzlich begrüßten. Das Boot wurde betankt, Proviant und ein Quad aufgenommen und schon fuhren wir dem Jagdgebiet entgegen.

Unser Boot, ein etwa 12 Meter langes Kajütenboot, war mit drei Kojen, einer Küche, einer Essecke und einem separaten Waschraum/WC ausgestattet. Auf dem Vordeck war genug Platz für ein Quad, Proviantkisten und Ausrüstung. Auch war es ausgestattet mit allerlei Fischereigerät, GPS und Tiefenmesser, Stereoanlage, Kühltruhe und einem Außengrill. Schon auf dieser ersten Fahrt zu einer idyllisch auf dem Wasser und in einem versteckten Fjord gelegenen Angellodge, wurden die zarten Grünstreifen an den Ufern nach Bären abgeglast. Wir sehen einige Seehunde und Seeotter sowie Weißkopfseeadler, aber keinen Bären. Es ist für Anfang April noch ungewöhnlich kühl und es sollen noch nicht so viele Bären nach dem Winterschlaf unterwegs sein. Aber die Jungs, Ben und Greg, beide Anfang Dreißig, sind zuversichtlich. Mit dem Bären würde es schon klappen und mit etwas Glück auch mit einem Wolf. Im vergangenen Jahr erlegten zwei Jäger in vier Tagen zwei Bären und zwei Wölfe und fehlten noch zwei weitere.

Bei der Lodge, die während der Frühjahrssaison als Basis dient, nehmen wir noch etwas Ausrüstung und ein kleines Schlauchboot auf. Dann fahren wir zwei Stunden entlang der vielen Buchten nach Norden, wo erfahrungsgemäß früh in der Saison die ersten Bären auftauchen. Und tatsächlich: in einer Bucht entdecken John und Greg einen Schwarzbären, der auf einer kleinen Grünfläche, nur zehn Meter vom Ufer, äst. Auf gut 500 Meter sprechen sie ihn als durchschnittlich an, etwa 6,5 Fuss, aber nicht sehr alt. Der Bär lässt sich vom Boot nicht stören und so passieren wir die Bucht um an deren Ende an Land zu gehen und den Bären anzupirschen. Der Wind passt und wir kommen auf 100 Meter heran. Auf diese Entfernung wirkt der Bär mit dem dichten schwarzen Fell auf mich doch recht groß, aber John spricht ihn als mittelalt an und will einen besseren suchen.

Abends machen wir an einer Holzverladestelle fest, an der hunderte von Baumstämmen zum Abtransport im Wasser liegen. Es gibt ein herrliches Abendessen vom Grill und ich erfahre einiges über die hiesige Schwarzbärenjagd. Es soll hier sehr viele geben, da das Klima relativ mild ist, es dadurch viel Nahrung gibt und die Schwarzbären durch das Fehlen von Grizzlies keine Nahrungskonkurrenten haben. Im Sommer und Herbst leben sie von den aufsteigenden Lachsen im Überfluss und erreichen Lebendgewichte von bis zu 200 kg. Die durchschnittliche Deckenlänge liegt bei gut 6,5 Fuß. Die Schwarzbären sollen sehr hart sein und Nachsuchen in dem extrem dichten Busch sehr schwierig. Daher sind die Jungs froh, dass ich eine .338WinMag mit schwerem Geschoss führe. Greg führt eine .375H&HMagnum!

Am nächsten Tag fahren wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit dem Quad über einen selbst geschlagenen Pfad durch den Busch und pirschen dann noch eine halbe Stunde bis an die Küste. Der Kiesstrand ist nur 20 Meter breit und liegt voller Standgut: vornehmlich Holzstämmen und Algenhaufen, aber auch angespülten Resten der Zivilisation und Fischerei. Der Wald, oder besser gesagt der Busch, reicht bis an den Strand und am Übergang finden sich hier und da kleinere frische Grasflächen, die die Bären zu dieser Zeit gerne aufsuchen. So pirschen wir entlang der vielen Buchten und glasen die Flächen ab. Bären sehen wir zunächst keine, entdecken aber sehr bald frische Wolfspuren am Ufer. Wir folgen den Spuren und hoffen, Isegrim in der nächsten Bucht zu sehen, was aber leider nicht passiert. Auf dem Rückweg steht eine frische Spur in unserer, ganz deutlich im feinen Kies!

Am dritten Tag regnet es. Den ganzen Tag. Ich merke bald, dass ich mich doch nochmal nach besserer Regenkleidung daheim umsehen muss … Alles ist nass, gut dass ich einen Kunststoffschaft habe. Am Nachmittag kommen wir an eine Stelle, wo viel angeschwemmtes Holz übereinander liegt und entdecken auf der anderen Seite eines zwischen uns ins Meer fließenden Flusses, einen starken Bären. Greg spricht ihn gleich als reif und schussbar an. Wir pirschen schnell näher, was dank des recht frischen Windes und der lauten Brandung einfach ist. Bis auf 120 Meter kommen wir heran, dann geht es wegen des Flusses nicht weiter. Ich richte mich ein, streiche an einem Holzstamm an. Greg sagt, ich solle erst schießen, wenn er richtig breit stünde, möglichst knapp hinters Blatt. Es dauert nicht lange und der Bär tut mir den Gefallen. Im Schuss zeichnet er für mich sichtbar gar nicht, sondern stürmt in den nahe gelegenen Wald. Ich war gut drauf und der Schuss war sicher, es sollte gepasst haben.

Den Fluss können wir nicht überqueren. Wir gehen einen mehrere Kilometer weiten Umweg und gelangen über eine Brücke auf die andere Seite. Dann müssen wir uns allerdings durch den dichtesten Busch kämpfen, den ich jemals gesehen habe. Spät sind wir am Anschuss und finden keinen Schweiß. John geht auf alle Viere und kriecht in den Busch, entlang dem vermeintlichen Fluchtwechsel. Erlösung, nach nur 30 Metern liegt der Bär, mit bestem Schuss längst verendet. Mühsam ziehen wir ihn ins Freie. Er ist knapp sieben Fuß lang und hat eine makellose schwarze Decke. Ich bin sehr glücklich, dass es geklappt hat. Da es immer noch regnet, machen wir schnell ein paar Fotos und schlagen den Bären anschließend aus der Decke. Das wesentliche Wildbret wird auf unsere Rucksäcke verteilt (die Bergung ist gesetzliche Vorschrift) und wir marschieren nass aber glücklich zurück.

Auf dem Boot angekommen hängen wir unsere nassen Klamotten zum Trocknen in der Bad-Zelle auf und heizen ordentlich ein. Abends haben wir dann eine kleine Feier und schlafen anderntags aus. Da ich noch ein Wolf-tag habe, versuchen wir es die letzten beiden Tage an verschiedenen Stellen. Wir stoßen auch immer wieder auf frische Spuren, haben aber leider keinen Wolf in Anblick. So ist die Jagd. Auf dem Rückweg verbringen wir wieder eine Nacht in der Lodge und delektieren uns an jeder Menge „prawns“, selbst gefangenen Riesengarnelen, die aus den Fallen direkt aus dem Meer auf unseren Grill wandern.

Zu schnell sind die fünf Jagdtage vergangen. Jeder Tag, auch bei regnerischem Wetter, war ein herrliches Erlebnis, brachte viele neue Eindrücke und Anblicke. Die zerklüftete Westküste von Vancouver Island bietet eine herrliche Natur und wunderschöne Landschaft. Wir werden diese Reise und unsere Erlebnisse immer in Erinnerung behalten … vielleicht versuchen wir es auch nochmal auf einen Wolf.

Hagen W.                                  

 

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