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Steinbockjagd in Spanien

Beceite im Dezember zur Brunft

Westfalenhallen Dortmund, Ende Januar 2020, um die Mittagszeit; ich schaue den Gang in Halle 7 hinunter und sehe den Spanier zielstrebig auf mich zukommen. Gestern erzählte Louis mir von seinen Steinböcken und dass ich ihn unbedingt mal besuchen sollte, um mir seine wildreichen Reviere anzuschauen. Aber dann wurden wir durch den Zweck der Veranstaltung unterbrochen und vertagten das weitere Gespräch. Jetzt kommt er wieder, ist wie immer freundlich und erzählt viel. Ich höre nur mit einem Ohr zu, bin mit meinen Sinnen zur Hälfte bei dem Geschehen auf unserem Stand und in der Halle. Aber irgendwann höre ich mich sagen: „Ok, dann machen wir das, eine Jagd auf Steinbock und Mähnenspringer, 4 Tage im November“.

Und dann brach über die Welt eine Pandemie herein, die alles veränderte und das Reisen quasi unmöglich machte. Auch meine Jagd wurde storniert und zunächst auf Januar, dann auf das kommende Frühjahr verschoben, um dann auch wieder auf unbestimmte Zeit abgesagt zu werden. Auch gedanklich rückte diese Jagd, obwohl angezahlt, weit in den Hintergrund und aus Spanien hörte ich lange nichts mehr. Im Herbst 2021 saß ich dann im Büro und der Blick schweifte vom Stapel stornierter Aufträge über die Präparate an der Wand und blieb an einem starken Alpensteinbock hängen. Steinbock, da war doch was. Ich schrieb dem Spanier eine mail und fragte nach dem Befinden. Die Antwort kam prompt, es ginge ihm gut, sie hätten 2020 und 2021 bis dahin wenig gejagt und ich sollte doch bald kommen. Um überhaupt kurzfristig eine Reise nach Spanien in den Kalender einzupassen, verkürzten wir auf zwei Jagdtage, drei Übernachtungen und nur den Steinbock. Dafür dann einen reifen, alten Bock, wenn es denn klappen würde.

Am 1. Dezember flog ich über Brüssel nach Madrid, wo Louis mich abholte. Die Formalitäten beschränkten sich auf eine online Anmeldung und einen QR-Code, der bei Einreise gescannt wurde. Eine Waffe nahm ich nicht mit. Wir fuhren dann in seinem Geländewagen dreieinhalb Stunden gen Osten und in die Berge. Zielort war Fortanete in der Provinz Teruel, 1.350 Meter hoch gelegen und einer der kältesten Orte Spaniens. Das einzige Hotel des 200-Seelen Dorfes nahm uns auf und es gab ein delikates Dreigang Menü und leckeren Wein zum Abendessen. Die kleine Bar des Hauses schien der Treffpunkt der Männer des Ortes zu sein, aber ich ging früh ins Bett, denn der erste Jagdtag sollte mit der Dämmerung beginnen.

Nach einem guten Frühstück sitzen wir im Wagen und fahren ins Revier, das direkt hinter dem Ort beginnt. Die Berge sind hier bis zu 2.000 Meter hoch und die Hänge mit buschartigen Nadelhölzern bestanden. Aber es gibt auch schroffe Felsen und auf den Graten und Gipfeln liegt Schnee. Es ist minus zehn Grad, aber trotz wolkenlosen Himmels und Sonne durch den Wind gefühlt noch deutlich kälter. Nestor, ein etwa dreißigjähriger örtlicher Jäger, ist mit dabei. Er spricht ebenfalls gut Englisch und kennt das Revier offenbar wie seine Westentasche. Schon nach wenigen Minuten halten wir in der Kurve einer kleinen Bergstraße und die Jäger beginnen das Gelände abzuglasen. Sogleich kommt Steinwild in Anblick und ich werde eingewiesen: hier und da stehen kleinere Rudel weibliches Wild und vereinzelt junge Böcke. Nichts für uns und wir fahren weiter. Zwei Kilometer weiter in einem anderen Tal halten wir erneut und wieder kommt Wild in Anblick. Dieses Mal ist auch ein guter Bock dabei, den die Führer auf zehn Jahre ansprechen. Ich versuche ein Gefühl für die Trophäenstärke dieser mir unbekannten Unterart des Steinwildes zu bekommen. Wenn die lyraförmigen Hörner mit guter Auslage nach hinten drehen und dann noch eine weitere leichte Drehung nach oben oder außen beschreiben, handelt es sich um einen starken Bock. Auch vom Wildbret her sind sie deutlich stärker als die Schafe und dunkler als die jungen Böcke. Aber an diesen ist kein Rankommen.

Wir machen noch mehrere Stopps, die alle Wildanblick bringen. Auch Adler und Geier sehen wir. Kürzere und leichtere Aufstiege machen wir, um überriegelte Seitentäler und Hänge einzusehen. Die Suche nach einem reifen Bock nehmen sie ernst, alles Wild wird mit dem Spektiv gründlich angesprochen. Nach einem vom Hotel vorbereiteten Lunch mit heißen Getränken an der Heckklappe des Landcruisers geht es weiter. Die Sonne steht hoch im stahlblauen Himmel und wärmt etwas, wenn man im Windschatten steht.

Dann pirschen wir zu einem flachen Talkessel, in den wie eine Mole ein Grat hineinragt. Auf der gegenüberliegenden Seite auf 400 Meter ist ein Rudel Kahlwild und dann entdecken wir mit dem Spektiv einen Bock, der einzelne Stücke beitreibt, denn es ist Brunftzeit. Der Bock wird genau angesprochen und plötzlich sind Louis und Nestor ganz aufgeregt. Ich verstehe zunächst nicht warum. Schnell wird das Gewehr aus dem Futteral genommen und das Zweibein aufgeklappt. Ich gehe hinter dem Carbonschaft und dem großen variablen Zeiss Glas im Liegen in Stellung. Nestor misst die Entfernung und sagt 350 Meter an. Mir ist das trotz der 20ig-fachen Vergrößerung etwas zu weit und ich zögere. Dann aber zieht der Bock, den ich jetzt auch als vergleichsweise stark empfinde, von den weiblichen Stücken weg und auf uns zu. Nun wird der Steinbock im Glas größer und ich mir sicherer. Auf 200 Meter steht er dann auf einer gegenüberliegenden Terrasse und verhofft breit. Jetzt empfinde ich es fast als einfach, ziele und drücke ab. Wir sehen Gestein spritzen und der Bock verschwindet mit zwei Schritten in einer kleinen Senke, wo wir ihn nicht mehr sehen können. Ich schaue fragend zu Nestor, ob der Bock dort liegen würde. Er zuckt mit den Schultern, konnte auch kein Zeichnen beobachten. Und dann taucht er etwas weiter wieder auf, zieht ruhig und anscheinend völlig gesund von uns weg. Nestor misst immer wieder die Entfernung und verstellt entsprechend die Absehenschnellverstellung (ASV) am Zielfernrohr. 250-280-300-325 Meter. Dann verhofft der Bock wieder breit. Eine weitere Patrone im Kaliber 6,5 Creedmoor ist im Lager. Dank ASV ziele ich wieder Blatt, bin trotz meiner hörbar erregten Begleiter erstaunlich ruhig und drücke ab. Im Knall bricht der Bock wie vom Blitz getroffen zusammen. Sekunden des Abwartens, dann schlägt mir Nestor auf die Schulter. Die beiden Spanier liegen sich in den Armen, reden auf mich ein, was für einen kapitalen Bock ich geschossen hätte und schütteln lachend die Köpfe über den Fehlschuss.

Um zu dem Steinbock zu gelangen müssen wir einen Berg umfahren und dann zwanzig Minuten durch den Schnee im Bergwald aufsteigen. Am Bock sind die beiden wieder ganz aus dem Häuschen, betrachten das Gehörn von allen Seiten, überschlagen die Länge, Dicke und Auslage und zählen die Altersschübe. Vierzehn Jahre hat er und sie schätzen ihn auf über 240 CIC Punkte. Ich freue mich über das Alter und von den Punkten her weiß ich, dass es eine hohe Goldmedaille ist. Aber etwas besser einordnen kann ich das erst, als Louis sagt, dass er hier in zwanzig Jahren nur zwei ähnlich Starke geschossen hat. Dann werden die obligaten Fotos gemacht, jeder allein und jeweils zwei mit dem Bock. Auch die beiden Spanier wollen viele Bilder für sich. Dann wird das Cape ausgelöst und der Bock zerwirkt, die Edelteile auf die Rucksäcke verteilt und wir marschieren durch die leicht verschneite Bergwelt zurück zum Auto.

Zurück im Hotel wollen alle von der Bar den Steinbock sehen und fachmännisch das Gehörn in die Hand nehmen. Hochgezogene Augenbrauen, anerkennende Kommentare und Glückwünsche. Alle freuen sich. Beim Abendessen und dem einen oder anderen Gläschen wird das Erlebte aufgearbeitet. Den Fehlschuss kann ich mir nicht erklären. Der zweite Schuss saß auf dem Träger, weshalb der Bock sofort lag. Wenngleich die perfekt eingeschossene Büchse versichert wird, hege ich in mir den Verdacht der leichten Seitenabweichung, was ich zu Hause sofort überprüfen würde, hier aber für mich nie aufgeklärt werden wird (ich hätte natürlich vorher einen Probeschuss machen sollen).

Den zweiten Jagdtag nutzen wir noch für eine ausgiebige Revierfahrt und brechen dann wieder Richtung Madrid auf. Unterwegs kehren wir in einem Gasthaus ein und werden mit herrlichen Tapas bewirtet. Besonders der Jamon, der luftgetrocknete Schinken des Iberico Schweins, schmeckt hervorragend. Bei einem großen Supermarkt machen wir Halt und ich kann in einer riesigen Schinkenabteilung, in der hunderte ganze Schinken hängen, erst probieren und dann kleinere Portionen kaufen.

Wieder in Madrid verabschieden wir uns im Foyer eines Hotels am Flughafen und ich fliege früh am nächsten Morgen wieder zurück nach Hamburg, wo ich bereits am späten Vormittag ankomme. Das getrocknete Cape und die abgekochte Trophäe erreichen mich in tadellosem Zustand drei Monate später und sind jetzt beim Präparator. Zwischenzeitlich ist dann der Schinken mit einem spanischen Rotwein eine schöne Erinnerung an diese Reise.

NB

Info Steinbockjagd in Spanien

Jagd in Spanien
Steinbockjagd Spanien
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