Keilerjagd in Polen

Mal ´nen richtigen Keiler…

Wenn es in heimischen Gefilden nicht mit dem Erlegen eines reifen Bassen klappt, kann sich der Jäger dennoch seinen Traum von einem Medaillienkeiler erfüllen. Zum Beispiel in einem polnischen Revier.

Wenn man jedes Jahr um die 20 bis 25 Sauen erlegt, die meisten in der Frischlings- und Überläuferklasse, dann wächst in einem langsam der Wunsch auch mal einen „richtigen“ Keiler zu erlegen. Diese kommen aber in unseren kleinen und somit unter hohem Jagddruck stehenden Revieren sehr selten vor. Mein Vetter und ich hatten uns daher eines Tages entschlossen, gezielt auf starke Keiler zu jagen. Mit einer Oberförsterei an der russischen Grenze fanden wir ein Revier, welches zwar weit weg, dafür aber wenig bejagt ist. Wir vereinbarten eine Jagd für die fünf Tage vor dem Januar-Vollmond.

Wir fliegen nach Warschau, wo wir von einem Fahrer des Reviers abgeholt werden. Nach etwas vier Stunden Fahrt über zunehmend einsamere und winterliche Straßen kommen wir am Ziel an. Der Revierleiter Bogdan empfängt uns mit seinem zweiten Mann Wiesiek und berichtet, daß jeder von uns in einem Revierteil von etwas 6.000 bis 7.000 Hektar jagen werde, in denen jeweils zehn bis zwölf Kirrungen eingerichtet seien. Nach der vorangegangenen langen und strengen Frostperiode seien die Kirrungen gut angenommen und einige starke Keiler bestätigt. Wir würden nachmittags und dann noch mal nach dem Abendessen je nach Wunsch bis Mitternacht jagen, die Frühpirsch sei weniger aussichtsreich.

Die erste Pirsch

Die Probeschüsse hinterm Haus bestätigen, daß unsere Waffen den Transport gut überstanden haben. Und schon sind wir unterwegs ins winterliche Revier, mein Vetter mit Bogdan, ich mit Wiesiek. Nur nach anderthalb Kilometern Waldweg stoppt Wiesiek seinen Fiat, und wir tauchen zu Fuß auf einen mit 15 Zentimetern Schnee bedeckten Pirschpfad in den Wald ein. Nach dreihundert Metern wird Wiesiek langsamer, und wir pirschen vorsichtig zu einer dicken Kiefer. Zwischen Fichtenkusseln entdecken wir auf einer kleinen Lichtung ein gutes Dutzend Sauen, die auf der Kirrung stehen. Sorgfältig spricht Wiesiek jedes größere Stück an, was bei Schnee und Tageslicht nicht schwierig ist. Ein Keiler ist nicht dabei. Vorsichtig ziehen wir uns zurück und gehen zum Auto. Nach einem Kilometer Fahrt halten wir erneut an und pirschen in den Wald. Wieder eine Kirrung, und wieder ist Schwarzwild da. Ein etwas abseits stehendes Stück zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, aber wir kommen überein, dass es ein drei- bis vierjähriger Keiler ist, der somit noch nicht das Zielalter hat. Wieder ziehen wir uns unbemerkt zurück. Dieses Prozedere wiederholt sich noch mehrmals bei dieser Pirsch, wobei wir an fast jeder Kirrung Schwarzwild vorhaben.

Der zweite Versuch

Zurück am Jagdhaus treffen wir meinen Vetter, der ebenfalls viel Schwarzwild im Anblick hatte. Bogdan erklärt uns, daß die Keiler in dieser Gegend und zu dieser Jahreszeit kaum über hundert Kilogramm wiegen. Zu hart wären die Winter, und jetzt am Ende der Rauschzeit hätten sie etwa 25 Prozent ihres Gewichtes verloren. Das soll uns nicht passieren und so widmen wir uns erst einmal dem üppigen Abendessen.

Gegen 20.30 Uhr starten wir wieder. Der Himmel ist bedeckt, aber das Licht kurz vor Vollmond hell genug. Im weichen Schnee können wir leise pirschen. Die Kirrungen sind gut besucht, vereinzelt sehen wir auch Rotwild, eimal sogar Wisente. An der vierten Kirrung steht ein einzelnes großes Stück. Ein Keiler, da sind wir uns beide einig. Aber wie alt? Lange beobachten wir das vertraut brechende Stück mit den Ferngläsern auf nur sechzig Meter. Ich dränge zum Schuß, doch Wiesiek wiegt den Kopf hin und her. Er hält ihn für höchstens vierjährig. Ich verlasse mich auf den erfahrenen Führer, nehme die Büchse wieder auf die Schulter und wir gehen zurück zum Wagen. Die anderen Plätze bringen Anblick, aber keinen Keiler.

Goldmedaillien-Keiler

Am nächsten Morgen schlafen wir aus. Am Vormittag begleiten wir dann Bogdan beim Beschicken und Abfährten der Kirrungen. Ein Gewehr nehmen wir vorsichtshalber mit, denn Keiler kann immer kommen! Als wir bei strahlendem Sonnenschein auf die erste Kirrung zufahren, können wir schon auf über hunder Meter zwischen den Stämmen dunkle Wildkörper erkennen. Eine große Rotte sucht auf der Lichtung nach Kirresten. Unter den Stücken macht Bogdan einen Keiler aus, der zwar nicht größer als die Bachen ist, ihn aber mächtig elektrisiert. Vorsichtig steigen mein Vetter und Bogdan aus dem Lada aus und pirschen sich heran. Auf 60 Meter kauern sie sich hinter eine Kiefer, und Bogdan spricht erneut an. Dann weist er meinen Vetter ein, denn mindestens fünf Stücke haben die gleiche Größe. Als endlich der Schuß bricht, stürmt die Rotte davon. Das beschossene Stück liegt am Platz. Erst als wir ganz nah herangetreten sind, erkennen wir, was da vor uns liegt: Nur 85 Kilo schwer, aber ein reifer Keiler, dessen Waffen nur so blitzen! Unsere Freude kennt keine Grenzen. Mein Vetter wird sich langsam aber sicher bewußt, daß er am Ziel seiner Träume angelangt ist. Was für ein Keiler, und das am hellichsten Tag bei Schnee und Sonnenschein!

Die spätere Vermessung ergibt 23 Zentimeter Waffenlänge und aufgrund der beachtlichen Breite 120,9 CIC Punkte – Goldmedaille!

Schlag auf Schlag

Als wäre der Bann gebrochen, bringt nun jede Nacht einem von uns Erfolg. Mein Vetter kann noch zwei Keiler mit 19,8 und 21,2 Zentimeter langen Waffen (Bronze) erlegen. Wiesiek und ich haben in der dritten Nacht Waidmannsheil: Wir hatten eine Rotte auf einer Waldwiese angepirscht und wollten gerade, nachdem wir keinen Keiler ausmachen konnten, wieder zurück, als wir es im Wald knacken hören. Plötzlich sehen wir einen Keiler schnurstracks über die Freifläche auf die Rotte zuziehen. Wiesiek spricht ihn sofort als reif an und gibt ihn frei. Aber an ein Schießen ist zunächst nicht zu denken, denn der Keiler zieht mitten in die Rotte und bewindet jede Bache. Offensichtlich prüft er, ob noch ein Stück rauschig ist. Ich habe mittlerweile an einem Baum angestrichen und verfolge den Keiler im Zielfernrohr. Nachdem offenbar kein Stück für ihn interessant ist, zieht er wieder in die Richtung, aus der er gekommen ist. Deutlich zeichnet sich der Leutpunkt auf dem dunklen Stück ab, und auf etwa 70 Meter schieße ich auf den schräg abziehenden Keiler. Dieser zeichnet überhaupt nicht, ändert nur die Fluchtrichtung und zieht nun quer über die Wiese, um dann im Wald zu verschwinden. Vom Anschuß aus finden wir eine deutliche Schweißfährte im Schnee über die ganze Wiese, durch einen breiten Graben und in den Wald. Nach viel zu kurzer Wartezeit folgen wir der gut zu haltenden Wundfährte in den Wald. Als erste Zweifel über den Sitz der Kugel aufkommen, fällt plötzlich der Lichtkegel der Taschanlampe auf den fünf Meter vor uns in der Fährte liegenden Keiler. Als wir vorsichtig herangehen, wird dieser unvermittelt vorne hoch. Reflexartig gebe ich den Fangschuß aufs Blatt.

Das war doch noch mal ein gewaltiger Schreck! Die erste Kugel drang hinter der letzten Rippe ein, traf Lunge sowie das Herz und steckte auf der gegenüberliegenden Seite im Blatt. Mit 88 Kilogramm ist er der schwerste Keiler unserer Jagdtage, mit 20,8 Zentimeter erreicht er Bronze.

Ein kurzes Resümee

Mit insgesamt vier Keilern zwischen sechs und acht Jahren wurden unsere Erwartungen weit übertroffen. Die Jagdführer haben sich als echte Experten erwiesen, und die Vorbereitung sowie die Organisation der Jagd war erstklassig. Die letzten natürlichen Sauenparadiese liegen zwar nicht unbedingt vor der Haustür, aber dafür kann der Wunsch nach einem reifen Keiler immer noch erfüllt werden.

Zusätzliche Informationen

Anreise: Direkt oder Umsteige-Flug von verschiedenen deutschen Flughäfen nach Warschau, von dort aus mit dem PKW ins Revier. Alternativ: Anreise mit dem eigenen Auto.

Formalitäten: Europäischer Feuerwaffenpass in Verbindung mit einer offiziellen Jagdgenehmigung (Voucher) für die Waffeneinfuhr, Personalausweis, Jagdschein.

Ausrüstung: Stabiler Waffenkoffer für den Flug, lichtstarkes Fernglas, Kaliber ab .30-06., Winterbekleidung für Pirsch und Ansitz.

Preise siehe Polen - Schwarzwildjagd 

reife Keiler Polen
Keilerwaffen aus Polen
Diese Webseite verwendet Cookies und möchte den Remarketing-Service von Google benutzen. Für weitere Informationen lesen sie bitte unsere Hinweise zum Datenschutz
Ich bin damit einverstanden.